Sprach- und Sprechstörungen
Aphasie
Aphasie ist eine erworbene Störung der Sprache, die durch eine Schädigung bestimmter Bereiche des Gehirns verursacht wird. Am häufigsten entsteht sie infolge eines Schlaganfalls, sie kann jedoch auch durch andere neurologische Erkrankungen oder Verletzungen hervorgerufen werden.
Eine Aphasie kann unterschiedliche Bereiche der Sprache betreffen. Dazu zählen das Sprachverständnis, also das Verstehen von gesprochener und geschriebener Sprache (Zuhören und Lesen), ebenso wie die Sprachproduktion, also das Sprechen und Schreiben. Die Ausprägung der Störung kann dabei sehr unterschiedlich sein und reicht von leichten Wortfindungsstörungen bis hin zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der gesamten sprachlichen Kommunikation.
Häufig treten zusätzlich weitere Einschränkungen auf. Dazu gehören zum Beispiel Lähmungen, die meist die rechte Körperhälfte betreffen, sowie Schwierigkeiten in der Motorik oder der Konzentration. Trotz dieser Beeinträchtigungen bleiben Denken, Gefühle und Persönlichkeit der Betroffenen in der Regel erhalten.
Eine gezielte sprachtherapeutische Behandlung kann Menschen mit Aphasie dabei unterstützen, ihre sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern und/oder alternative Kommunikationsmöglichkeiten zu entwickeln.
Dysarthrie/ Dysarthophonie
Eine Schädigung des zentralen Nervensystems kann dazu führen, dass die Steuerung und Koordination der für das Sprechen notwendigen Bewegungen beeinträchtigt ist. Infolgedessen fällt es den Betroffenen schwer, Sprechbewegungen gezielt, kraftvoll und zeitlich abgestimmt auszuführen.
Je nach Lokalisation und Schwere der Schädigung können verschiedene Bereiche der Sprechmotorik betroffen sein. Dazu zählen die Sprechatmung (Respiration), die für einen ausreichenden und gleichmäßigen Luftstrom notwendig ist, die Stimmgebung (Phonation) sowie die Artikulation, also die Bewegungen von Lippen, Zunge, Kiefer und Gaumensegel. Diese Funktionsbereiche können unterschiedlich stark ausgeprägt oder auch gleichzeitig eingeschränkt sein.
Durch diese Beeinträchtigungen kann sich das Sprechen verlangsamen, verwaschen oder angestrengt anhören. Häufig ist die Verständlichkeit der gesprochenen Sprache deutlich reduziert, was die Kommunikation im Alltag und die soziale Teilhabe der betroffenen Personen erheblich erschweren kann.
Eine gezielte sprachtherapeutische Behandlung kann dazu beitragen, die Sprechfunktionen zu verbessern, die Verständlichkeit zu erhöhen und individuelle Kommunikationsstrategien zu entwickeln.
Sprechapraxie
Die Sprechapraxie ist eine neurologisch bedingte Störung der Planung und Koordination von Sprechbewegungen. Dabei sind nicht die Muskeln selbst gelähmt, sondern die Fähigkeit, Sprechbewegungen gezielt zu planen und korrekt auszuführen, ist beeinträchtigt.
Betroffen sein können die Artikulation, die Sprechmelodie sowie die Prosodie (Sprachrhythmus und Betonung). Häufig zeigen sich lautliche Abweichungen, die zu einer verminderten Verständlichkeit der Aussprache führen. Es kann zu Ersetzungen, Vertauschungen oder Auslassungen von Lauten kommen.
Besonders häufig sind Wortanfänge betroffen. Diese gehen oft mit sogenannten Suchbewegungen der Artikulationsorgane einher, bei denen Lippen oder Zunge sichtbar nach der richtigen Bewegungsabfolge suchen. Wiederholungen oder bewusste Selbstkorrekturen führen dabei nicht immer zu einer Verbesserung des Sprechens.
Da das Sprachverständnis in der Regel erhalten ist, nehmen die Betroffenen ihre Sprechprobleme sehr bewusst wahr. Dies führt häufig zu Frustration und Unzufriedenheit mit der eigenen Sprechleistung. Das anstrengende Sprechen kann sich zudem in mimischen Mitbewegungen, einer gepressten Stimme oder in erhöhter Anspannung der Hals- und Gesichtsmuskulatur zeigen.
Facialisparese (Gesichtslähmung)
Die Muskulatur unseres Gesichts wird durch den Nervus facialis, auch mimischer Gesichtsnerv genannt, gesteuert. Ist seine Funktion beeinträchtigt, kann es zu einer Lähmung der Gesichtsmuskulatur kommen, die in den meisten Fällen nur eine Gesichtshälfte betrifft.
Je nach Ursache wird zwischen zwei Formen unterschieden: Bei der peripheren Fazialisparese ist der Nerv selbst geschädigt, während bei der zentralen Fazialisparese die Steuerung der Gesichtsmuskulatur in bestimmten Bereichen des Gehirns beeinträchtigt ist. Die periphere Form tritt mit über 60 % am häufigsten auf. Ihre genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt, in etwa 40 % der Fälle werden jedoch Virusinfektionen als Auslöser vermutet.
Typische Anzeichen einer meist einseitigen Gesichtslähmung sind unter anderem herabhängende Mundwinkel, ein unvollständiger Lidschluss sowie eine eingeschränkte Mimik. Diese Veränderungen können sowohl die Kommunikation als auch das emotionale Erleben im Alltag deutlich beeinflussen.
Stottern
Beim chronischen Stottern ist der Redefluss beeinträchtigt. Betroffene erleben wiederkehrende Unterbrechungen im Sprechen, die sich auf unterschiedliche Weise zeigen können. Dazu gehören Wiederholungen von Lauten, Silben, Wörtern oder Satzteilen (z. B. „Wo-wo-wo-Wolke“), Blockaden, bei denen ein Laut nicht oder nur mit großer Anstrengung hervorgebracht werden kann („Wwwwwwwolke“), sowie Dehnungen von Lauten („Woooooolke“).
Zusätzlich können während des Stotterns sogenannte Begleit- oder Mitbewegungen auftreten. Dabei handelt es sich um unwillkürliche, krampfartige Bewegungen anderer Körperteile, wie zum Beispiel starkes Kopfnicken, Augenblinzeln oder wiederholtes Aufstampfen mit dem Fuß. Diese Begleiterscheinungen entstehen häufig als Versuch, die Sprechblockaden zu überwinden.
Das chronische Stottern kann die Kommunikation im Alltag deutlich erschweren und für die Betroffenen mit hohem Anspannungs- und Leidensdruck verbunden sein. Eine gezielte sprachtherapeutische Behandlung kann dabei unterstützen, den Redefluss zu verbessern und den Umgang mit dem Stottern zu erleichtern.
Poltern
Poltern ist eine Störung des Sprechablaufs, die dem Stottern ähnlich ist, sich aber durch besondere Merkmale auszeichnet. Typisch ist ein sehr schnelles Sprechtempo, das oft zu einem überstürzten und unkontrollierten Redefluss führt. Dabei werden einzelne Silben oder Laute häufig ausgelassen, ganze Satzteile werden abgebrochen oder immer wieder neu angesetzt.
Diese unregelmäßige Sprechweise kann dazu führen, dass die Sprache für andere schwer verständlich wird. Betroffene haben häufig das Gefühl, „nicht hinterherzukommen“ oder ihre Gedanken schneller äußern zu wollen, als die Sprechorgane mithalten können. Begleiterscheinungen wie unwillkürliche Pausen, hastige Betonungen oder vermehrte Atemanstrengung können auftreten.
Eine gezielte sprachtherapeutische Behandlung kann dabei helfen, das Sprechtempo zu regulieren, die Satzstruktur zu stabilisieren und die Verständlichkeit zu erhöhen. Durch gezielte Übungen lernen Betroffene, ihr Sprechen bewusster zu steuern und die Kommunikation im Alltag zu erleichtern.
Stimmstörungen
Dysphonien
Stimmstörungen können funktionelle oder organische Ursachen haben.
Funktionelle Stimmstörungen entstehen durch falschen oder übermäßigen Stimmgebrauch. Typische Anzeichen sind anhaltende Heiserkeit, ein ständiger Räusperzwang oder ein unangenehmes Gefühl im Bereich des Kehlkopfs. Die Stimme verliert an Leistungsfähigkeit, der Klang verändert sich, und die Stimmlippenmuskulatur ist entweder zu stark (hyperfunktionell) oder zu schwach (hypofunktionell) angespannt.
Organische Stimmstörungen haben körperliche Ursachen. Dazu zählen zum Beispiel Stimmlippenknötchen, Polypen oder Ödeme. Auch Eingriffe an der Schilddrüse können die Stimme beeinträchtigen: Wird dabei der Nervus laryngeus recurrens verletzt, kann dies zu einer ein- oder doppelseitigen Stimmlippenlähmung (Recurrensparese) führen. In solchen Fällen ist die Beweglichkeit der Stimmbänder eingeschränkt, was die Stimme stark beeinflusst.
Probleme mit der Stimme und der Atmung hängen oft eng miteinander zusammen und können sich gegenseitig verstärken. Aber auch Dauerstress, psychische Belastungen oder Anspannung können zu Atem- und Stimmstörungen führen.
Typische Anzeichen sind beispielsweise eine verspannte „Hochatmung“, das Gefühl, nicht frei durchatmen zu können, oder eine eingeschränkte Atemtiefe beim Sprechen. Solche Störungen können die Stimme belasten, die Sprechleistung verringern und zu Anspannung im Hals- und Schulterbereich führen.
Eine gezielte Atem- und Stimmtherapie kann helfen, die Atmung zu entspannen, die Stimmleistung zu verbessern und eine gesunde Stimmleistung langfristig zu erhalten.
Näseln (Rhinophonie)
Ein auffallend nasaler Stimmklang wird als Näseln oder Rhinophonie bezeichnet. Dabei kann unterschieden werden zwischen:
- Geschlossenem Näseln: Die Stimme klingt „verschnupft“, da zu wenig Luft durch die Nase strömt.
- Offenem Näseln: Es entweicht zu viel Luft durch die Nase, wodurch die Stimme nasal und undeutlich wirkt.
Näseln kann die Verständlichkeit der Sprache beeinträchtigen und die Stimme belasten. Eine gezielte sprach- oder Stimmtherapie kann helfen, den Luftstrom zu regulieren und die Stimmqualität zu verbessern.
Schluckstörung
Dysphagie
Dysphagie bezeichnet eine Schluckstörung, die entweder organische oder funktionelle Ursachen haben kann. Häufig entstehen solche Störungen durch Schädigungen des Gehirns, können aber auch durch Erkrankungen oder Schwächen der Muskulatur im Mund- und Gesichtsbereich verursacht werden.
Bei einer Dysphagie sind die orofazialen Muskeln sowie alle am Schluckprozess beteiligten Strukturen betroffen. Dies kann zu Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme führen: Betroffene haben Probleme beim Abbeißen, Kauen oder Schlucken von Nahrung. In einigen Fällen kann das Essen sogar mit Husten, Verschlucken oder dem Gefühl von „Steckenbleiben“ verbunden sein.
Eine gezielte Schlucktherapie kann die Sicherheit beim Essen erhöhen, die Schluckfunktion verbessern und so die Lebensqualität im Alltag deutlich steigern.