Sprachentwicklungsstörung (SES)

Beim Spracherwerb durchlaufen Kinder zwar typische Entwicklungsschritte, doch jedes Kind lernt auf seine eigene Weise und in seinem eigenen Tempo. Die meisten Kinder erwerben die Sprache fast mühelos und ohne größere Schwierigkeiten.

Eine frühzeitige Beobachtung und gezielte Unterstützung durch Sprachtherapie können helfen, die sprachliche Entwicklung zu fördern und mögliche Schwierigkeiten auszugleichen.

Störung der Aussprache

Störung der Grammatik

Von einer Dysgrammatismus oder Grammatikstörung spricht man, wenn bestimmte sprachliche Strukturen noch nicht korrekt erworben wurden und deutliche Abweichungen von der Altersnorm bestehen.

Solche Schwierigkeiten können die Verständlichkeit der Sprache beeinträchtigen. Eine gezielte sprachtherapeutische Förderung hilft Kindern, die korrekten grammatischen Strukturen zu erlernen und die Sprachkompetenzen altersgerecht zu entwickeln.

Störung des Wortschatzes

Manche Kinder haben Schwierigkeiten, ein bestimmtes Wort zu benennen. Häufig liegt das daran, dass der Begriff für den Gegenstand noch nicht im Wortschatz des Kindes enthalten ist oder das Wort im Gedächtnis nicht korrekt abgespeichert wurde.

Solche Benennungsschwierigkeiten treten ganz unterschiedlich auf: Das Kind weiß, was gemeint ist, kann den Begriff aber nicht sofort abrufen. Eine gezielte sprachtherapeutische Förderung kann dabei helfen, den Wortschatz zu erweitern und den Abruf von Wörtern im Alltag zu erleichtern.

Störung des Sprachverständnisses

Kinder mit einer Störung des Sprachverständnisses haben Schwierigkeiten, Anweisungen, Erklärungen, Sätze oder Gespräche richtig zu verstehen. Oft ist dies für Eltern nicht sofort erkennbar, da die Beeinträchtigung meist erst anhand der Reaktionen des Kindes sichtbar wird.

Um die Ursachen und Ausprägungen der Sprachverständnisstörung genau zu erkennen, ist eine sorgfältige Diagnostik besonders wichtig. Sie bildet die Grundlage für eine gezielte Förderung und sprachtherapeutische Unterstützung, damit das Kind die Sprache besser verstehen und im Alltag sicher anwenden kann.

Late Talker

Die sogenannten Late Talker stellen eine besondere Gruppe von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen dar. Von Late Talkern spricht man, wenn Kinder im Alter von etwa zwei Jahren:

Bei SSES können unterschiedliche Bereiche der Sprache betroffen sein, wie Wortschatz, Grammatik oder Sprachverständnis. Eine frühzeitige Diagnostik und gezielte sprachtherapeutische Förderung sind entscheidend, um die sprachliche Entwicklung zu unterstützen und den Rückstand zu reduzieren.

Redeflussstörung

Poltern

Poltern zeigt sich bei Kindern ähnlich wie bei Erwachsenen durch ein sehr schnelles oder unregelmäßig schwankendes Sprechtempo. Dabei können Laute, Silben, Wörter oder ganze Satzteile ausgelassen, verschmolzen oder in ihrer Aussprache verändert werden.

Diese Sprechweise kann die Verständlichkeit der Sprache beeinträchtigen und dazu führen, dass Kinder beim Sprechen leicht unterbrochen oder missverstanden werden. Eine gezielte sprachtherapeutische Förderung kann helfen, das Sprechtempo zu regulieren, die Satzstruktur zu stabilisieren und die Verständlichkeit zu verbessern.

Stottern

Stottern beginnt meist im Alter zwischen 2 und 5 Jahren. In diesen Momenten verlieren Kinder kurzzeitig die Kontrolle über ihr Sprechen. Entwicklungsbedingte Unflüssigkeiten beim Sprechen sind in dieser Phase häufig und bilden sich bei vielen Kindern nach einiger Zeit von selbst wieder zurück.

Frühzeitige Beobachtung und gezielte sprachtherapeutische Unterstützung können helfen, das Stottern zu verringern und die Kommunikationsfähigkeit der Kinder zu stärken.

Schluckstörungen

Myofunktionelle Störungen

Myofunktionelle Störungen liegen vor, wenn die Muskulatur von Gesicht, Mund und Zunge nicht im Einklang arbeitet. Dabei sind manche Muskelgruppen zu stark, andere zu schwach angespannt. Häufig drückt die Zunge während des Schluckens gegen die Zähne, was zu Zahnfehlstellungen führen kann.

In der myofunktionellen Therapie (MFT) werden die betroffenen Muskelgruppen gezielt trainiert, und Kinder sowie Erwachsene lernen ein korrektes Schluckmuster. Oft wird diese Therapie in Kombination mit kieferorthopädischen Maßnahmen durchgeführt, um langfristige Verbesserungen im Mund- und Kieferbereich zu erreichen.

Stimmstörungen

Juvenile Dysphonie

Eine funktionelle Stimmstörung bei Kindern kann entstehen, wenn die Stimme dauerhaft überlastet wird – zum Beispiel durch häufiges lautes Sprechen oder Schreien. Dabei wird die Stimme mit zu viel Spannung und Druck eingesetzt.

Eine frühzeitige sprach- oder stimmtherapeutische Behandlung kann helfen, die Stimme richtig zu nutzen, die Belastung zu reduzieren und langfristige Schäden zu vermeiden.

Näseln

Ein auffallend nasaler Stimmklang wird als Näseln oder Rhinophonie bezeichnet. Dabei kann unterschieden werden zwischen:

Näseln kann die Verständlichkeit der Sprache beeinträchtigen. Eine gezielte sprach- oder stimmtherapeutische Behandlung hilft, den Luftstrom zu regulieren und die Stimme klarer und angenehmer klingen zu lassen.

Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten (LKGS)

Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten gehören zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Sie treten in unterschiedlichen Formen auf:

Eine frühzeitige Behandlung durch ein interdisziplinäres Team aus Logopädie, Zahnmedizin und Chirurgie kann die Entwicklung der Sprache, die Nahrungsaufnahme und die allgemeine Lebensqualität deutlich verbessern.

Legasthenie/Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)

Legasthenie ist eine Entwicklungsstörung, die das Erlernen von Lesen und Schreiben betrifft. Betroffene Kinder zeigen ausgeprägte und anhaltende Schwierigkeiten, die sich zum Beispiel folgendermaßen äußern:

Nach einer umfassenden Diagnostik kann eine gezielte Förderung beginnen, die individuell auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist und das Lesen- und Schreibenlernen unterstützt.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Unter einer AVWS versteht man Probleme beim Hören, obwohl das Ohr selbst gesund ist. Das Gehörte wird dabei nicht korrekt vom Gehirn verarbeitet, was zu verschiedenen Schwierigkeiten führen kann.

Eine gezielte Diagnostik und Therapie kann helfen, die auditive Wahrnehmung zu verbessern, die Konzentrationsfähigkeit zu stärken und die Verarbeitung von Gehörtem im Alltag zu erleichtern.